Hilfsmittel gegen die Berge des Unerledigten

Burnout ist in aller Munde; Hetze und Beschleunigung stehen bei den meisten auf der Tagesordnung: wer klagt nicht über den Berg unerledigter Aufgaben? Aber was ist mit all dem, was Du schon geschafft hast? Mein Tipp: Neben der To Do-Liste eine „Geschafft“-Liste führen.

Ich habe schon mit zahlreichen Systemen gearbeitet, um mich und meine Arbeit gut zu strukturieren. Jedes dieser Systeme hatte Vor- und Nachteile und ich habe irgendwann begriffen, dass ich einfach ab und an gerne meine Systeme wechsle und immer mal wieder etwas Neues ausprobiere. Und seitdem ich mir erlaube, mal alle Ordner grün haben zu wollen, im nächsten Jahr aber lieber rot, geht es mir gut mit meinen Systemwechseln. Ich habe es einfach aufgegeben, ein System zu finden, das ich stur durchziehe.

Hauptsache, ich denke an alles Wesentliche

Hauptsache, ich plane überhaupt – so meine Erkenntnis. Hauptsache, es macht mir Spaß, mich zu strukturieren. 

Manches hat sich dennoch über Jahre bewährt – hierzu zählt meine To Do-Liste. Ich führe eine Excel-Liste, in die ich jedes unerledigte Projekt, jede Anfrage, alles, was noch zu erledigen ist eintrage – samt Datum. Bewährt hat es sich, diese Liste im Computer zu führen, denn alle Zettel-Listen verschwinden irgendwohin und alle Kladden sind im richtigen Moment nicht zur Stelle, so dass ich die nächste beginne – und doch wieder den Überblick verliere. Im Computer ist meine Liste immer wieder auffindbar und daher nützlich.

Der Berg wird nie kleiner

Allerdings habe ich die unerfreuliche Entdeckung machen müssen, dass meine To Do-Liste nie kleiner wird. Im Gegenteil, wenn ich mich mit ihr beschäftige, fällt mir immer mehr Unerledigtes ein. Bei der Hydra wuchsen für einen abgeschlagenen Kopf zwei nach – mir fallen für jede erledigte Aufgabe zwei neue ein. Ich streiche die einen und schreibe gleich zwei neu dazu. Oder drei oder vier.

Der Berg wird also nie kleiner, im Gegenteil: Ich arbeite und arbeite und am Ende ist er größer als vorher, denn im Laufe des Tuns ist mir alles Mögliche eingefallen, was noch zu tun ist, oder aus einer erledigten Aufgabe haben sich zig Neue ergeben. Das fühlt sich an, als wäre quasi nichts geschafft. Wie muss sich Sisyphos gefühlt haben, der bekanntlich dazu verdammt war, einen Felsblock einen Berg hinauf zu wälzen, der jedes Mal zu Tal rollte, sobald er den Gipfel erreichte?

Die Geschafft-Spalte

Irgendwann kam ich auf die Idee, Erledigtes nicht zu löschen, sondern in eine zweite Spalte zu kopieren: Die Geschafft-Spalte. Mit innerlich durchschlagender Wirkung. Denn nun wird der Berg des Unerledigten zwar immer noch nicht kleiner. Aber auf der anderen Seite stapelt sich im Laufe des Tages all das, was ich erledigt und geschafft habe. Kleinigkeiten und große Dinge: Anrufe, Texte, Buchhaltung – die Liste wird immer länger und ich kann den Tag abends beschließen, mit dem angenehmen Gefühl, ganz viel erledigt und weg geschafft zu haben. Ein angenehmer Begleiteffekt – ich kann gleichzeitig sehen, was abgearbeitet ist. Das Ganze funktioniert, wie ein Nachschlage-Werk des Erledigten.

Nach ein paar Tagen, wenn das Ganze unübersichtlich wird, kopiere ich die To Dos in eine neue Datei, sortiere neu und starte die Geschafft-Liste neu.

Hauptsache, Du magst Dein System

Ich liebe mein System und bin immer wieder dorthin zurück gekehrt. Apps wie Wunderlist haben mich nicht glücklich gemacht, obwohl sie ähnlich funktionieren. Ich schätze die Flexibilität von Excel, die es mir ermöglicht, immer wieder neu zu sortieren und Prioritäten zu setzen, Aufgaben farbig zu markieren, Deadlines zu notieren – und das ständig zu ändern, wenn ich es wieder anders machen möchte.

Andere lieben ihre Systeme, so meine Erfahrung. Es lohnt sich, so lange auszuprobieren, bis man das Eigene gefunden hat. Was immer Du auch nutzt – schön ist es, wenn Du es Dir gönnst, Dich so zu organisieren, dass Du den Tag mit dem wohligen Gefühl beschließen kannst, dass das Wichtigste erledigt ist.

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